TAUBACH

Mahnung der Vorfahren: "Was Ihr seid dass waren wir was wir sind dass werdet Ihr." - Inschrift des Travertintorsturzes der Taubacher Leichenhalle nach römischem Vorbild.

Taubacher Geschichte(n)

In den Travertinbrüchen Taubachs wurden am Ende des 19. Jahrhunderts die Überreste einer altsteinzeitlichen Kultur ausgegraben.

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Im malerischen Ilmtal

gelegen, blickt Taubach auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück.

Hier, wo die Ilm ihren stärksten Mäanderverlauf nimmt, siedelten schon am Ende der Saale-Kaltzeit vor weit mehr als 100.000 Jahren Neanderthaler. Um etwas zu erleben mussten diese Urvorfahren keine lange Reise unternehmen - die damalige Fauna wurde beherrscht von riesigen Waldnashörnern (Stephanorhinus kirchbergensis), Taubacher Braunbären (Ursus arctos taubachensis), großen Hornträgern (Bovidae) wie Steppenwisenten (Bison priscus) und Auerochsen (Bos primigenius) sowie Europäischen Bibern (Castor fiber). Aber auch Steppennashörner (Dicerorhinus hemitoechus), Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus), Höhlenbären (Ursus spelaeus), Löwen (Panthera leo), Höhlenhyänen (Crocuta crocuta spelaea), Riesen- (Megaloceros giganteus) und Rothirsche (Cervus elaphus), Rehe (Capreolus capreolus), Wildschweine (Sus scrofa) sowie Taubacher Wildpferde (Equus taubachensis) waren zu jener Zeit im Mittlerem Ilmtal heimisch.

Nördlich der heutigen Ilmtalstraße und in etwa begrenzt durch die Straßen Auf dem Steinberge / An der Schatzgrube / Hardtgasse wurde im 19. Jahrhundert in mehreren Steinbrüchen (Ernst, Hänsgen, Mehlhorn, Sonnrein, Vollmar …) Travertin abgebaut, sogenanntes Werkstravertin. Travertin ist ein mehr oder weniger poröser, gelblicher bis brauner Kalkstein, dessen Kalk im Wasser eines Süßwasserbaches enthalten war und sich hier ablagerte. Dies geschah nicht gleichmäßig und erfolgte auch in kleineren Teichen. Teilweise wurden bei diesem Prozess organische Kohlenstoffverbindungen mit eingeschlossen, was zur Bildung von "Stinkkalken" führte (mal mit einem Hammer auf einen Block hauen, dann kann man es riechen). Alle diese Ablagerungen sind mit mehr oder weniger dicken Ablagerungen von Tuffsand (Travertinsand) durchzogen. Aus einer dieser Tuffsandschichten, welche später als "Knochensand" bzw. "Herzschicht" bekannt werden sollte, konnten etwa 900 Steinwerkzeuge und ca. 4.500 Säugetierüberreste, teilweise gut erhalten, geborgen werden. Herr Grubenbesitzer Sonnrein barg den ersten Backenzahn eines 12- bis 14-jährigen Kindes in seinem Travertinbruch im Jahre 1887 und Taubach wurde in der Folgezeit wegen der vielen Funde bekannt. Die urzeitlichen Jäger hinterließen an vielen der Knochen und Knochenfragmente ihre Schnittspuren. Ihre Nahrung bereiteten sie wie schon ihre Vorfahren seit einigen hunderttausend Jahren auf dem Feuer zu, wie in "Brandschichten" gefundene Holzkohlestücke, verkohlte Knochen, Aschen und von der Hitze geröteter bzw. geschwärzter Travertin bezeugten. Leider ist das damalige Abbaugebiet mittlerweile überbaut und wurde nicht touristisch erschlossen. Alternativ dazu kann jedoch das Freigelände mit Forschungspfeiler des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringen in Weimar-Ehringsdorf besucht werden. Auch wenn hier der Travertin sich in einer völlig anderen Struktur als in Taubach ablagerte, kann man sich einen gewissen Eindruck verschaffen, denn selbst gesehen ist selbst erlebt und nicht nur im Fernsehen oder auf Bildern bestaunt. Weitere Eindrücke und Informationen über das Leben unserer Vorfahren können sie durch einem Besuch in der Dauerausstellung des Museums für Ur- und Frühgeschichte in Weimar, Humboldtstraße 11, erhalten.

Nicht nur in Taubach wurden die Hinterlassenschaften der in der Eem-Warmzeit lebenden Menschen ausgegraben. Auch in der Slowakei (Gansdorf, heute Gánovce), Ungarn (Totis, heute Tata) und Mähren (Kůlna-Höhle) fand man ihre Spuren. Sie lebten gern an einer warmen, Travertin formenden Quelle und stellten Werkzeuge aus schlagbaren Materialien wie Quarz, Quarzit, Feuerstein und anderem her. Aber auch die Knochen ihrer Jagdbeute sowie Geweihteile von Rothirschen wurden zu Werkzeugen verarbeitet. Da die Menschen dieser Kultur vieles gemeinsam hatten, werden sie nach ihrem Fundort "Taubacher" genannt.

Taubach war der erste Ort in Deutschland, an welchem menschliche Präsenz während der Eiszeit nachgewiesen wurde.

Doch war das nicht der einzige Fund in Taubacher Erde …


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